|
|
||
|
|
Nacht erhellt hätten. Angst hatten die kleinen Pferde nicht,
auch der
gelegentliche gewaltige Donner schien sie nicht zu
erschrecken. Der dauernde
Aufenthalt im
Freien hatte
sie gelehrt, die Naturgewalten anzunehmen.
|
|
|
|
|
Ein Blitz schlägt einEin Blitz schlug so dicht daneben ein, daß es einen Moment lang aussah, als ob Stute und Fohlen in eine feurige Aura gehüllt waren. Die Fruchtblase riß, und ein paar große Fohlenaugen blickten in die Welt. Die Rappstute leckte und reinigte ihr Fohlen, und das stand auch schon auf den zittrigen Beinen und suchte das pralle Euter. Ein prachtvolles Fohlen!Man machte hier kein großes Aufhebens um Fohlen; wenn es gut ging, dann war es eben gut gegangen. Und so kam am anderen Morgen der alte hagere Bauer eher routinemäßig vorbei, um nachzusehen. Der staunte aber nicht schlecht, als er dann das Fohlen sah. Mit seinem rot glänzenden Fell stand es da und sah ihn aus goldgelben Augen an. Einen Augenblick meinte er, in den Augen ein eigenartiges Licht funkeln zu sehen. Eine kleine Fuchsstute war es, aber was für ein prachtvolles Fell sie hatte! Auch Mähne und Schweif sahen schon dicht aus und versprachen wunderschön zu werden. Und in diesem Moment wußte er, daß er diese Stute nicht behalten würde, sondern sie - sicher mit gutem Gewinn- an seinen alten Freund Lauchlayn McGwyllan in Schottland verkaufen würde. |
Gwendollyn: eine herrliche FuchsstuteDas Fuchsfohlen entwickelte sich prächtig. Und obgleich dieses Jahr die kleine Insel von besonders vielen heftigen Gewittern heimgesucht wurde, schien dies dem kleinen Fohlen nicht auszumachen. Übermütig tollte es über die Koppeln, und ließ sich den scharfen Wind um die Nüstern wehen. Und so wuchs es zu einer herrlichen Fuchsstute heran, das dem alten Bauern inzwischen recht ans Herz gewachsen war. Es war ein ganz normales freundliches Shetlandpony geworden, das mit einem Stockmaß von 111 cm zwar etwas größer war als die meisten seiner Artgenossen, die sich um die Zuchtrichtlinie von 3 ft 3 ¾ herum entwickelten. Nur seine Augen funkelten manchmal etwas merkwürdig. Gwendollyn wird an einen Händler verkauft!Aber der Bauer lebte nun mal auch von der Zucht von Shetlandponys, und so brachte er die Fuchsstute, als sie drei Jahre alt geworden war, mit der Fähre zu seinem schottischen Freund. Der freute sich riesig, und versprach ihm, den besten Käufer zu suchen, den er finden konnte. Gemeinsam flossen dann viele Becher schottischen Maltwhiskys, und am nächsten Morgen trennte sich der alte Bauer schweren Herzens von der Stute. |
|
|
|
Gwendollyn kommt nach Hampwylln CourtLauchlayn McGwyllan war ein erfahrener Pferdehändler, der sich über den günstigen Kauf freute. Die ungewöhnlich hübsche Stute würde ihm einen ordentlichen Überschuß bringen. Und er kannte einige Privatleute, die ihm einen ordentlichen Preis zahlen könnten. Schon am nächsten Tag hatte er sie erfolgreich verkauft und gleich zu ihrer neuen Heimat, dem Hampwylln Court gebracht. Die Stute gehörte nun einem kleinen Mädchen, das es von seinem Onkel; einem pensionierten schottischen Oberst, zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Die neue Besitzerin hätte ein Rapp-Pony gewollt!Nun könnte man meinen, daß sich das Mädchen sehr gefreut hatte. Doch weit gefehlt. Als einziges Kind von gut situierten Eltern war es (leider) sehr verwöhnt worden. Gewohnt, daß (fast) alle Wünsche erfüllt wurden, wäre es überrascht gewesen, wenn es das gewünschte Rapp-Pony nicht zum Geburtstag bekommen hätte. Nun stand das Pony vor ihr, aber: es war nicht schwarz. Und ihr Onkel konnte noch so überzeugend von dem hübschen Pony schwärmen, die Kleine sah es kaum an. |
Silvy und Gwendollyn freunden sich anNun war also das Shetlandpony verkauft worden, aber an ein verwöhntes kleines Mädchen, das es nicht wollte. Es wurde erst einmal auf eine der großen Koppeln gestellt. Nachts kam es allein in das große Stallgebäude daneben, in dem ein paar Heuballen und Stroh gelagert waren. Eine blasse dünne Frau aus der Nachbarschaft versorgte es regelmäßig und verdiente sich damit ein paar Pfund dazu. Silvy, so hieß sie, war Mitte Zwanzig, arbeitete schwer in der nahen Wollspinnerei, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Tagsüber arbeitete sie dort still in der Buchhaltung; aber morgens und abends blühte sie auf, sprach mit dem feuerroten Shetlandpony und gelegentlich mit dem alten Knecht Tom, der den Teil der Landwirtschaft versorgte, der noch übrig geblieben war, und ihr das, was er über den Umgang mit Pferden wußte, geduldig beibrachte. Und Gwendollyn, so hatte sie die Fuchsstute getauft, blühte sichtlich auf. Immer wenn sie ihr von weitem zurief, kam sie angetollt und bettelte um einen Apfel oder um ein altes Stück Brot. Aber auch Silvy bekam im Laufe der Zeit durch den regelmäßigen Aufenthalt im Freien frische Farbe und durch die Stallarbeit feste Muskeln an Schenkeln und Armen. |
|
|
|
Gwendollyn soll verkauft werden!So ging es Gwendollyn eigentlich ganz gut, bis das kleine Mädchen, das sich zwar nie um das Pony Kümmerte, aber die Besitzerin des Pferdes war, beschloß, sich von ihr zu trennen. Es hatte vor, eine Anzeige in die Lokalzeitung zu setzen. Silvy erfuhr davon erst über Tom, der sich inzwischen auf die ruhigen Stunden mit Silvy und Gwendollyn freute. Mit Tränen in den Augen verabschiedete sich Silvy von Gwendollyn, streichelte es noch einmal hinter den buschigen Ohren und ging zurück zu ihrem Kämmerchen im Dorf. Silvy ist traurigWie konnte diese Mädchen denn überhaupt der Besitzer eines Pferdes ein, fragte sich Silvy. Besitzen, so dachte sie, bedeutet doch auch Verantwortung tragen. Und Verantwortung trug das Mädchen sicher gar keine, denn es war Silvy, die sich um Futter, Wasser und Ausmisten kümmerte. Und der Vater des Mädchens bezahlte alles. |
Ein schlimmes Unwetter kommtNoch am gleichen Abend gab es ein gewaltiges Gewitter. Noch nie, so meinten die Alten, hätten sie ein solches Gewitter erlebt. Stunden tobte das Wetter, Mensch und Tier verkrochen sich so gut es eben ging und hofften auf das Ende des Gewitters. Nur das Shetland Pony galoppierte auf der Koppel umher und ließ sich genußvoll den scharfen Wind um die Nüstern wehen. Das Haupthaus brennt!Plötzlich schlugen kurz hintereinander mehrere heftige Blitze ein. Das Haupthaus war getroffen worden. Alle Menschen konnten sich retten, doch das Haus brannte lichterloh. Silvy, die schon auf dem Heimweg ins nahe Dorf gewesen war, rannte vor Schreck und Sorge um Tom und um Gwendollyn durch den strömenden Regen und den heftigen Sturm zurück. Tom stand abseits und war zwar verrußt, weil er auf Geheiß seiner Herrschaft noch in das brennende Haus zurückkehrte, um Schmuck und Wertsachen zu retten, aber ansonsten wohlauf. Und Gwendollyn? Die kam voll Freude zu Silvy galoppiert. |
|
|
|
Die Familie zieht nach EdinburgNachdem die Feuerwehr das Feuer gelöscht hatte, war klar, daß langwierige Reparaturen, und Renovierungsarbeiten arbeiten anstanden, und das Wohnen im Haus für längere Zeit unmöglich machen würden. In einer kurzen Besprechung beschloß man daher, in das ferne Edinburg zu ziehen, wo ein kleineres Haus am Stadtrand eben leer geworden war. Ohnehin waren die Frauen im Haus schon längst des ruhigen Landlebens überdrüssig geworden. Niemand denkt an das PonyAber was sollte dann aus dem Anwesen hier werden? Und Tom, der Knecht, konnte sich ein Leben in der Stadt nicht vorstellen. Das einfachste war also, Tom hier zu lassen. Er konnte dann gleich die kleine Landwirtschaft weiter versorgen, die vor allem wegen der steuerlichen Vorteile und der staatlichen Zuschüsse wichtig war. Aber allein konnte er das wohl kaum schaffen. Denn es mußte nicht nur das Land bewirtschaftet werden, es gab auch Rechnungen zu schreiben, Zahlungen anzuweisen und Anträge zu stellen. Und das Pony? Daran dachte keiner. |
Silvy und Tom sollen Gwendollyn versorgenTom hatte schließlich die rettende Idee: "Warum laßt ihr nicht Silvy hier wohnen? Sie ist gelernte Buchhalterin und kann das sicher nebenbei!" Und so kam es, daß Silvy schon am nächsten Tag aus ihrem Kämmerchen im Dorf umzog in die kleine Wohnung neben dem Stallgebäude. Gleich neben dem Stall und der Garage waren nämlich zwei kleine Wohnungen gebaut worden, die einmal für Stallburschen und Chauffeur gedacht gewesen waren. Das Gesinde wohnte früher in einem Anbau am Haupthaus, das aber schon vor Jahren baufällig geworden war und schließlich einem Swimming Pool weichen mußte. Pläne für Hampwylln CourtEs dauerte ein paar Tage bis Silvy ihr neues Zuhause eingerichtet hat. aber dann war es soweit. Sie hatte einen alten Malzwhisky von einer Arbeitskollegin geschenkt bekommen, und hatte das traditionelle Gericht Haggis, was auch das Lieblingsgericht Toms war, zubereitet. Blumen standen auf dem Tisch, und gemeinsam schmiedeten sie Pläne für die Zukunft von Hampwylln Court. |
|
|
|
Geheimnisvoll funkeln die Augen von GwendollynSpät am Abend gingen sie noch einmal nach draußen, um nach Gwendollyn zu sehen. Das Unwetter hatte einer sternklaren Nacht Platz gemacht. Und Gwendollyn kam quer über die ganze Koppel angesaust, als sie die Stimme von Silvy hörte. |
"Du wirst sehen," sagte sie zu Gwendollyn und kraulte sie hinter den Ohren, "das Leben hier auf Hampwylln Court wird für uns alle wunderschön werden!" Und da sah sie es zum ersten Mal ganz deutlich: geheimnisvoll funkelten die Augen der kleinen Shetland Stute, als sie sie ansah... |
|
|
|
|
Haggis Haggis ist das schottische Nationalgericht. Es wird zubereitet, indem ein Schafsmagen gewendet, mit Innereien gefüllt, zugebunden, und in kochendem Wasser gegart wird. Es wird behauptet, daß nach dem Genuß einer Portion Haggis von einem verzweifelten Esser der schottische Whisky erfunden wurde... Die Schotten erzählen aber auch gern von Haggis als einer Art merkwürdigem Tier, ähnlich dem bayerischen Woipertinger... |
|
|
|
|
|
Die Shetland Inseln Die Shetland Inseln (es gibt 117 davon!) erstrecken sich 200 km nördlich Schottlands auf rund 1426 km2 mit nur 17.000 Einwohnern mit einer Nord-Südausdehnung von 113 km. Man muß schon eine Weile suchen, um einen der durchschnittlich 1,2 Einwohner pro Quadratkilometer zu finden. Zum Vergleich: der Landkreis Starnberg hat rund 100.000 Einwohner auf 490 km2 (204 Einwohner pro km2) und eine größte Ausdehnung von etwa 35 km. Die Shetland Inseln sind hügelig mit zahlreichen felsigen Buchten. Häufige Stürme bis 150 km/h bewirken, daß nahezu ausschließlich Ödland und Naturweiden die Oberfläche bedecken. Die Einwohner leben vom Export von Fisch, Schafen und Wolle, und Shetland Ponys. |
|
|
|
|
|
Die Shetland Ponys Noch vor den Menschen, vor ungefähr 100.000 Jahren, sollen die Shetland Ponys von Skandinavien her auf die Shetland Inseln gekommen sein. Geprägt durch das sturmgepeitschte öde Land sind Shetland Ponys von Natur aus außerordentlich widerstandsfähig. Wie viele andere nordische Rassen verfügen sie über eine auffällig lange Nasenpartie, um die kalte Luft für die Lunge vorzuwärmen. Im Verhältnis zur Körpergröße gehören Shetland Ponys zu den stärksten Pferderassen der Welt. Ein solches Pony kann einen kräftigen Mann auch in schwierigstem Gelände tragen. In ihrer Heimat wurden sie für alle Transportaufgaben, wie den Torf- und Algentransport eingesetzt. Später wurde in sie unter Tage als Grubenpferde genutzt. Heute werden diese Arbeitstiere eher verkannt und als Zirkus- und Kinderpferde eingesetzt. |
|