Gwendollyn und die Diebe 
Teil III: Gwendollyn kommt wieder frei! 

Ein Pferdemärchen über Gwendollyn und Silvy, 12.Folge

von McDietmar 

Dieses Mal: Das Gewitter hilft Gwendollyn und Gwenfair

Die Männer waren im strömenden Regen zu einem Frachter gelaufen, der am Kai lag, und kamen wenig später zurück, um sich in ihrem Kleinlaster vor den Naturgewalten zu schützen.

Inzwischen war das Gewitter wieder stärker geworden. Dazu kam eine steife Brise vom Meer, die sich schnell zu einem wilden Sturm verstärkte. Die Schiffe schwankten im Sturm, schlugen an die Hafenmauern. Es war, als würden sie versuchen sich von ihren Tauen und Ketten loszureißen. Gewaltige Brecher schlugen an die Hafenmauern. Das Gewitter hatte noch an Stärke zugelegt. Immer näher kamen die Einschläge, und mit  ohrenbetäubendem Krachen schlugen die Blitze ein.

Ein Schiff versinkt!

Angstvoll hie0%">

Die Polizei hat keine Hinweise

Der alte Knecht und Silvy waren wieder aus den Betten gekrochen, denn sie waren beide viel zu aufgeregt und konnten einfach nicht einschlafen. Auf der Polizeistation hatten sie noch ein paar Mal angerufen und jedesmal einen müden Polizisten erreicht, der ihnen versicherte, daß man vor Morgen ohnehin nichts machen könne. Pechschwarz war die Nacht, und in der Ferne hörte man ein heftiges Gewitter. "Wie geht es wohl den Ponys?" das war die Frage, die sich die beiden unaufhörlich stellten.

Die standen inzwischen auf dem Hafengelände in dem Kleinlaster und warteten. Gwendollyn und Gwenfair waren als erstes eingeladen worden, und standen daher in der Nähe der Fahrerkabine. Gwendollyn konnte also die Heckklappe nicht erreichen. Wer weiß, vielleicht hätte sie sie sonst hinausschlagen können?

Eilten sich die beiden Männer die Ohren zu. Erschreckt zeigte der eine der Männer auf den Frachter, auf dem sie eben gewesen waren: lichterloh brannte das Schiff, schreiend liefen Menschen an Land.

Plötzlich gab es einen weiteren Blitz, der den Hafen in gleißendes Licht tauchte, und wie in Zeitlupe sahen die Männer den Blitz direkt in das Heck des Schiffes einschlagen, das ohnehin von dem wütenden Sturm gegen die Kaimauern  geworfen wurde. Wie ein Aufbäumen riß das Schiff sein Heck nach oben, um gleich danach wie ein waidwundes Tier sich auf  die Seite zu legen, wo es gurgelnd unter der Wasseroberfläche verschwand.

Die Pferde sind endlich wieder frei!

Noch bevor sich die Männer in dem  Kleinlaster von ihrem Schrecken erholen  konnten, schlug der Blitz nochmals ein, dieses Mal ganz in ihrer Nähe, aber, -so schien es -ohne Schaden anzurichten. Tatsächlich war aber die Heckklappe  aufgesprungen, und die Pferde, froh über ihre wiedergewonnene Freiheit, waren aus dem Transporter in die Weite des Hafens gesprungen.

Das Gewitter schien aber noch nicht zufrieden. Noch einmal schlug der Blitz ein, und dieses Mal waren die beiden Männer gelähmt vor Schreck: wie versteinert sahen sie vor sich aus dem Motorraum hohe Flammen schlagen. Als sie verzweifelt versuchten die Türen  aufzubekommen, mußten sie feststellen, daß beide Türen von dem Blitzeinschlag zusammengeschweißt waren und sich nicht mehr bewegen ließen...

Silvy fährt mit dem alten Knecht nach Wyllnham

Können Sie schnell nach Wyllnham kommen?" fragte der Polizist Silvy am Telefon. "Da laufen ein paar Pferde herum, und die kleinen könnten ihre sein."  So schnell sie konnten hängten sie den Pferdeanhänger an den klapprigen Bedford und fuhren los.

 Das Gewitter hatte sich verzogen, die Sterne strahlten hell am Himmel, und wenn sie nicht immer noch voll Sorge um Gwendollyn und Gwenfair gewesen wären, dann hätten sie den nächtlichen Ausflug entlang der Küste wahrscheinlich genossen. Als sie schließlich nach Wyllnham kamen, sahen sie schon von weitem die blauen Lichter von Feuerwehr, Polizei und den Rettungskräften am Hafen.

Das ganze Hafengebiet ist gesperrt" beschied ihnen ein genervter Polizist. "Aber wir sollen doch hier Pferde einladen!" entgegnete Silvy. Dann durften sie weiterfahren, doch von Gwendollyn und Gwenfair war keine Spur zu sehen.

Laß uns hier anhalten und einfach stehen bleiben", meinte Silvy. "Wenn Gwendollyn hier ist, dann finde ich sie schon!" Schon war sie aus dem Transporter gesprungen, und lief davon, laut rufend, und zwischendurch pfiff sie auch schon mal.

Gwendollyn findet Silvy

Der Hafen war immer noch dunkel, schlecht beleuchtet, und Silvy fürchtete sich schon ein wenig. Sie erschrak aber fast zu Tode, als sie plötzlich von hinten angestupst wurde. "Jetzt hast Du mich aber wirklich erschreckt!" sagte sie zu Gwendollyn, die sie leise  anschnaubte. Und sie warf wild ihre Arme um Gwendollyn, froh, daß sie ihr Pony wieder gefunden hatte. Fast hätte sie Gwenfair übersehen, der ruhig im Schatten Gwendollyns stand.

Alle Pferde sind wieder da!

Glücklich begrüßte sie nun auch Gwenfair, der das gelassen hinnahm. Doch nun erschrak sie doch noch: im Dunkel des Hafens sah sie zwei große Schatten dahinter! Gwendollyn schnaubte beruhigend. Da sah sie erst, daß da ruhig zwei große Pferde standen, die sie neugierig beschnupperten. "Da hast Du Deine Freunde auch gleich  mitgebracht!" sagte sie erleichtert. "Na dann wollen wir mal!" meinte sie.

Die Pferde werden alle verladen

Aber viel hatte sie bei Verladen nicht zu tun. Denn  Gwendollyn führte die kleine Herde an, und so hatte Silvy eigentlich nichts anderes zu tun als zum Transporter zu gehen. Dort staunte der alte Knecht nicht schlecht, als er Silvy mit vier Pferden auftauchen sah. "Die bekommen wir schon unter," meinte er. "Die Großen kommen in den Anhänger, und die Kleinen in den Bedford."

Silvy hatte sich noch einmal umgesehen. "Schau!" rief sie aufgeregt, "das müssen die Diebe sein!" Zwei Männer waren eben von der Feuerwehr aus einem Kleinlaster mit einem kaputten Schlußlicht geborgen worden. Schnell lief sie zum nächsten Polizisten und erzählte ihm alles was sie wußte; und sie gab ihm auch das Schlußlicht, das sie gefunden hatten .

Das ist aber sehr interessant, "staunte er. "Wir suchen schon seit langem nach einer Pferdediebesbande, die wertvolle Pferde nach Amerika verkauft! Da wurde sogar eine Belohnung ausgesetzt!"


Die langgesuchten Pferdediebe gestehen alles

Die beiden Männer aus dem Kleinlaster hatten erst noch hartnäckig geleugnet, aber als man ihnen das Plastikteil zeigte, das man bei Hampwylln Court gefunden hatte, und das genau zu ihrem Kleinlaster paßte, hatten sie schließlich aufgegeben und alles gestanden.

Schnell waren die Pferde verladen, und der alte Knecht und Silvy konnten endlich die Heimfahrt antreten. Wie sich herausstellt hatte, waren die beiden  Vollblutstuten aus einem Gestüt ganz in ihrer Nähe gestohlen worden, sodaß sie auch die beiden verladen hatten. Der Polizist hatte außerdem versprochen, dem Gestüt Bescheid zu sagen.
 

Erleichtert und vergnügt fuhren die beiden mit nun vier Pferden wieder zurück. Silvy saß am Steuer, und aß mit Behagen die Fish and Chips, die sie sich vor ihrer Abfahrt frisch im Hafen gekauft hatten, und wozu sie sich ein Ginger Ale und der alte Knecht ein "Bitter" gegönnt hatten.

Große Freude am Gestüt

Bevor sie nach Hampwylln Court fuhren, wollten sie erst die beiden Vollblutstuten abliefern. Verblüfft sahen sie, daß das ganze Gestüt trotz der späten Stunde hell erleuchtet war.

Noch mehr überrascht waren sie aber, als sie sahen, wie viele Menschen mitten in der Nacht auf sie gewartet hatten. Kaum waren sie etwas steif aus dem Transporter geklettert, als ihnen wildfremde Menschen um den Hals fielen, ihnen Whisky anboten, und voll Freude die beiden Stuten aus dem Hänger führten. Auch Äpfel für Gwendollyn und Gwenfair wurden nicht vergessen.

Und dann mußten sie ausführlich alles  erzählen, und immer wieder wollten alle  wissen, wie Gwendollyn das Schlußlicht am Kleinlaster zerschlagen hatte, und wie dann später die Vollblutstuten der Gwendollyn nachgelaufen waren.

Gwendollyn und Gwenfair waren inzwischen längst aus dem alten Bedford geführt worden und standen in einer großen Box voll mit frischem Heu und Stroh. Das
Kraftfutter hatte Silvy energisch abgewehrt, aber sie konnte nichts gegen ein halbes Dutzend Äpfel und noch mehr Pferdeleckerlis tun, die die beiden Ponys mit Behagen in sich hineinstopften.

Schließlich bot man Silvy und dem alten Knecht an, auf dem Gestüt zu übernachten, ein Angebot, das die beiden dann doch gern annahmen.

Bevor aber Silvy ins Bett kroch, sah sie nochmals nach den Ponys. "Ich bin so froh", flüsterte sie zu  Gwendollyn,"das alles gut ausgegangen ist. Aber ohne Deine Mithilfe hätte das schlimm enden können! Ich glaube nämlich nicht, daß Du das  Schlußlicht aus Versehen kaputt gemacht hast!"

Gwendollyn blickte sie ruhig aus ihren großen Augen an, in denen wieder das geheimnisvolle Funkeln war, das sie schon ein paar Mal gesehen hatte...