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Silvy
steckte fast bis zur Hüfte in dem morastigen Wasser. Und als sie versuchte
einen Schritt vorwärts zu gehen, sank sie noch weiter ein. Sie versuchte
sich möglichst wenig zu bewegen, und sah sich gründlich den alten Steg an.
Wenn sie sich ein wenig streckte, konnte sie vielleicht gerade noch das Ende
eines der gebrochenen Bretter des Steges ergreifen. |
Vorsichtig zog sie daran und stellte erleichtert fest, daß das andere Ende noch fest an dem tragenden Pfosten hielt. Sie zog vorsichtig daran, und konnte tatsächlich einen Schritt näher zu dem Pfosten zu kommen. Doch beim nächsten Schritt riß sich der Nagel aus dem Pfosten, und sie wäre beinahe rückwärts in das schwarze Wasser gekippt. Verzweiflung drohte sie zu übermannen. Sie atmete tief durch und besah sich das Ende des Brettes. Da hingen noch zwei verbogene Nägel daran, und so versuchte sie nun damit Halt an dem Pfosten zu finden. Zwar rutschten die Nägel mehrfach ab, aber schließlich konnte sie sich zu dem Pfosten hinziehen. Voll Erleichterung umfaßte sie den glitschigen Pfosten. Sie konnte wenigstens nicht mehr im Moor versinken. |
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Noch mußte sie vom Pfosten hoch auf den Steg kommen. Das klang einfach, stellte sich aber als schwieriges Unterfangen heraus. Denn als sie versuchte sich hochzuziehen, war ihr der schwere naß gesogene Wollrock hinderlich. Schließlich kam ihr der Zufall zu Hilfe, denn beim Bauen des Stegs hatte man eine Querverstrebung verwendet, die unter der Oberfläche des Moors nicht zu sehen gewesen war, aber ihr nun erlaubte, wie bei einem Trittbrett nach oben zu klettern. So schnell sie konnte lief sie auf allen Vieren weiter, bis sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen spürte. Erschöpft zitternd setzte sie sich ins Gras und holte tief Luft. |
Als sie sich aber umsah, bekam sie den nächsten Schreck: sie war wieder zurück auf der Moorinsel angekommen, und wie sollte sie da je wieder wegkommen, da der Steg jetzt weggebrochen war? Der alte Knecht würde sich erst in vielen Stunden Sorge machen. Und wenn er in der Brennerei ein paar Gläser Whisky angeboten bekam, konnte es sogar vorkommen, daß er dort übernachten würde und erst am nächsten Tag nach ihr suchen würde! Mit Schaudern dachte Silvy daran, daß sie womöglich in nassen Kleidern eine Nacht auf der Moorinsel verbringen mußte. Und schon jetzt zitterte sie vor Kälte! Und dazu kam, daß der Nebel zunehmend dichter wurde. Sie konnte jetzt nur noch mit Mühe die Gig und die beiden Ponys erkennen. Dazu kam ein kalter Wind, der die Nebelschwaden vor sich hertrieb und Silvy die Wärme aus ihrem Körper nahm. |
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Voll Panik erkannte Silvy den Ernst ihrer Situation. Denn auf der kleinen Moorinsel, die wenigstens trocken war, gab es keinerlei Schutz! Silvy setzte sich schließlich verzweifelt auf die alte halb zerfallene Bank. Und auf der Gig hätte sie ein paar alte warme Wollplaids, die jetzt aber für sie völlig unerreichbar waren... |
Doch schließlich fiel ihr der alte Spruch der schottischen Vorfahren ein: „Arbeite, verzweifle nicht!“ Nun, vielleicht konnte sie ihre unangenehme Lage doch mit etwas Mühe -und solange es noch hell war- etwas erträglicher machen. Und so begann sie gründlich die Insel abzusuchen. |
| „Work and despair not“ („Arbeite und verzweifle nicht“) hat der schottische Lieblingsdichter Robert Burns einmal gesagt, was seither als einer der Leitsprüche der Schotten gilt. Quelle: DuMonts Reise- und Kulturführer Schottland 1980 | |
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Sie fand nicht viel, aber immerhin etwas trockenes Laub unter den niedrigen Birken. Und nach einiger Suche sogar eine alte Holzplanke, die wenigstens auf einer Seite trocken war und vielleicht beim Bau des Stegs vergessen worden war. Sie beschloß unter der Bank zu schlafen. Dazu schob sie die Holzplanke unter die Bank und schüttete darauf das trockene Laub. Sie fand noch ein paar trockene Zweige, die sie auf der Windseite aufstapelte. Schließlich zog sie noch ihren nassen Wollrock aus, und hängte ihn sowohl zum Trocknen als auch als Windschutz auf die Zweige. Unterhose, Strümpfe und Schuhe stapelte sie auch darauf. Die Nebelschwaden hatten sich ein wenig gelichtet, und sie konnte sehen, daß Gwenfair sich behaglich das Moorgras schmecken ließ, aber Gwendollyn stand da, und sah sie aus der Ferne unverwandt an. |
"Ach", dachte sich Silvy, "wenn Du doch da wärst, dann wäre mir schon viel wohler!" Mit etwas von dem Laub trocknete sie sich, und versuchte dann sich in die trocken geblieben Jacke so einzuwickeln, daß sie möglichst wenig dem kalten Wind ausgesetzt war. Silvy besah sich ihr Nachtlager, das ihr beinahe schon komfortabel erschien. Sie schmunzelte noch über die seltsame Dekoration mit Rock, Strümpfen und Unterwäsche, bevor sie nochmals zu den Ponys sah, denn auch die beiden müßten nun die Nacht allein verbringen müssen. |
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| Aber was machte da Gwendollyn? sie lief den Moorweg entlang, sprang mit Leichtigkeit über die Absperrung, die Silvy gebaut hatte, und folgte dann den Weg weiter in Richtung Hampwylln Court. | Silvy stieg ein Kloß in den Hals, sie fühlte sich entsetzlich verlassen, und versuchte ihr Pony zu rufen, aber der Ruf verhallte einsam im Moor, und ihr Pony verschwand schließlich in einem Nebelschwaden... |
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Muß Silvy nun allein nachts im Moor bleiben? |
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