Gwendollyn und das Sommerfest 

Ein Pferdemärchen über Gwendollyn und Silvy 
5.Folge, von McDietmar

Dieses Mal: Gwendollyn rettet das Sommerfest

 

Fest auf Hampwylln Court?

Was bisher geschah:

Gwendollyn kommt nach Hampwylln Court und lernt Silyv kennen (1). Sie zieht den Nachbarsjungen Marc aus dem Wasser (2). Sie rettet ihren Freund Gwenfair vor einer Kolik.(3) Sie faßt einen Dieb (4)

Bis zum Auszug der Besitzer hatte es in Hampwylln einmal im Jahr eine Einladung für die Pächter gegeben, die gerne kamen, um mit dem Hausherrn zu fachsimpeln und die neuen Verträge auszuhandeln. Meist kamen die Pächter am frühen Nachmittag, um das Geschäftliche zu besprechen, und am Abend wurde dann gefeiert.
Silvy hatte früh schon in einem ihrer regelmäßigen Briefe nach Edinburgh, wo nun die Familie wohnte, angefragt, ob auch in diesem Jahr dieses Fest stattfinden sollte. Die Möglichkeiten waren allerdings eingeschränkt, weil das alte Haupthaus nur noch eine Ruine war.  Silvy hatte daher  vorgeschlagen, ein Zelt aufzubauen, und das Geschäftliche in Toms Wohnzimmer abzuwickeln. Als kleine Einlage zum Abend wollte sie eine Sängerin einladen, die alte schottische Balladen kannte. Dazu kam noch die Dudelsackgruppe aus dem Dorf. Gwendollyn und Gwenfair sollten die Kinder ein wenig herumtragen. Insgesamt würden so um die 40 - 50 Leute kommen.

Silvys Planung 

Genau hatte sich Silvy den Ablauf überlegt. Ihr Plan sah so aus: 

ab 1 p.m.:   Besprechung mit den Pächtern
ab 6 p.m.:   Abendessen:

Ø       Scotch Broth mit Brot
Ø      
und Trifle zum Nachtisch

8 p.m.:        Sängerin und Dudelsackmusik

Zwischendurch wollte sie Tee mit Scones servieren. Und sie hatte auch mit Arbeitskolleginnen aus der Wollspinnerei gesprochen, die ihr bei der Vorbereitung und beim Servieren helfen wollten, auch um damit ihr mageres Einkommen aufzubessern. 

Tatsächlich war die Familie damit einverstanden, denn kurze Zeit nach ihrem Vorschlag erhielt sie die Anweisung, alles entsprechende zu veranlassen.

Noch Zeit für Gwendollyn?

Jetzt war wirklich viel zu tun und neben ihrer Arbeit in der Buchhaltung der nahen Wollspinnerei hatte Silvy kaum mehr Zeit, sich um Gwendollyn zu kümmern. Dennoch  hatte sie es sich zur festen Gewohnheit gemacht,  jeden Tag ein wenig mit Gwendollyn zu üben.

Sie arbeitete noch immer mit Stangen, die sie auf den Boden ausgelegt hatte, und zwischen denen sie Gwendollyn vorwärts und rückwärts gehen ließ. Und dann hatte sie auch kleine Hindernisse aufge- gebaut, über die sie Gwendollyn springen ließ. Auch das „Kompliment“ hatte sie ihr schon beigebracht. Auf Kommando konnte Gwendollyn sich sogar auf die Hinterfüße stellen.

Und natürlich konnte Gwendollyn schön traben und galoppieren. So war es gekommen, daß sie schon ein paar mal richtiggehend aufgeführt hatte, was Gwendollyn nun schon alles konnte.

Marc und ein paar andere Nachbarskinder waren dann zum Zuschauen gekommen. 

Der große Tag ist da

 Am Vorabend war der Besitzer aus dem fernen Edinburg gekommen, hatte sich das Zelt angesehen und war danach mit Silvy noch einmal die Einladungen und die Einzelheiten zum Fest durchgegangen, ehe er sich ins Dorfpub zurückzog, um dort in einem der kleinen Zimmer zu übernachten.

Keine Sängerin, kein Dudelsack, was nun?

Aber am nächsten Vormittag, als Silvy mit ihren Arbeitskolleginnen vollauf beschäftigt war, um das Essen vorzubereiten, kamen gleich zwei schlechte Nachrichten: die Sängerin war heiser geworden und konnte nicht singen. Und kurz darauf rief der Anführer der Dudelsackbläser an und sagte wegen einer schlimmen Erkältung ab. Jetzt war guter Rat teuer, weil es natürlich viel zu spät war, um so schnell einen Ersatz zu finden.

Aber ganz ohne Programm am Abend? Silvy lief zum Hausherrn, der sich ohnehin gerade mit einem der Pächter in Toms Wohnung besprach.

„Da ist ja das prächtige Mädel mit dem Wunderpferd“, rief da der Pächter aus. „Sehen wir das denn heute abend? Meine Kinder haben mir schon wahre Wunderdinge von dem Pferd erzählt!“

Als Silvy dann dem Hausherrn erzählte, daß Sängerin und Dudelsackbläser  ausgefallen waren rief der Pächter: „Das ist ja großartig! Ich bekomme sowieso immer Zahnschmerzen bei den Dudelsackbläsern aus unserem Dorf. Und Du könntest doch dann Dein Pony vorführen! Das würde mich auch viel mehr interessieren. Und dem Hausherrn  von Hampwylln Court wird das sicher recht sein, schließlich leben wir ja hier auf dem Land und mit Tieren!“ Das war wohl ein kleiner Seitenhieb auf den nun in der Großstadt Edinburg lebenden Hausherrn. Aber tatsächlich stimmte der zu, besonders, da auch das Wetter sehr schön war und das Zelt direkt angrenzend an einer Koppel aufgestellt war.

Es kamen immer mehr Pächter, meist mit ihren ganzen Familien, und besprachen die neuen Pachtverträge mit dem Besitzer von Hampwylln Court. Später gab es dann Tee und Scones (siehe 3.Folge von Silvy und Gwendollyn). Und gegen Abend war die Scotch Broth fertig, zu der es frisches Brot gab.

Der Hausherr von Hampwylln Court hielt eine kurze Ansprache und bedankte sich bei allen Pächtern. Er entschuldigte sich für das Ausbleiben der Sängerin und der Dudelsackmusik. Als er dafür  vorschlug, ein paar Vorführungen von Gwendollyn zuzusehen, stimmten ihm alle begeistert zu, weil schon viel erstaunliches von diesem Pony erzählt wurde.

SCOTCH BROTH 

Schottische Kraftsuppe:  Dies ist ein traditionelles schottisches  Gericht, das es in vielen Variationen gibt. Es ist eine nahrhafte Suppe mit –Schottland ist ein karges Land- sehr wenig Fleisch.  Die angegebene Menge reicht für etwa 16 Esser. 
Zutaten: 1 kleines Lammfilet
4 große in Scheiben  geschnittene Gelbe Rüben
4 große geriebene Gelbe Rüben
1 kleine in Scheiben geschnittene  Wasser- oder Steckrübe
1 klein geschnittene Lauchstange
2 große Kartoffeln (in Scheiben geschnitten)
1 Tasse rote gequetschte Linsen
1 Tasse Perlgraupen
1 Tasse  eingeweichter Erbsen
4 Liter Wasser
Viel Salz und Pfeffer.
Zubereitung:
Lammfilet in einem großen Suppentopf mit dem Wasser aufsetzen und kochen lassen. Lammfilet herausnehmen und in kleine Stücke schneiden bevor man es wieder zurückgibt. Alle anderen Zutaten dazugeben. Bei leichter Hitze mindestens drei Stunden köcheln lassen 

Gwendollyn springt ein

Zusammen mit dem alten Knecht Tom hatte Silvy ein paar Hindernisse auf der Koppel aufgebaut. Und dann ließ sie Gwendollyn ein wenig zeigen was diese so konnte:

+Kompliment
+
Schritt
+
Trab
+
Galopp
+
schneller Galopp
+
sehr schneller Galopp
+
Springen über normale Hindernisse
+
Springen über hohe Hindernisse

Zum Abschluß stellte sich Gwendollyn noch wie ein Zirkuspferd auf die Hinterbeine und winkte mit den Vorderhufen!

 

Obwohl Silvy extra Gwendollyn nicht so schnell laufen und nicht so hoch springen ließ, wie sie es eigentlich konnte, war es nach der Vorführung mäuschenstill. Es war, als ob sich die Gäste erst von dem  außerordentlichen Erlebnis erholen mußten. 

Dann aber gab es nicht endenwollenden Beifall. Und Gwendollyn mußte noch viele Komplimente machen und  danach zusammen mit Gwenfair viele Kinder reiten lassen, bis die Gäste wieder zum Zelt gingen, sich das englische Trifle schmecken ließen, und dann bei reichlich Whiskey die ungewöhnlichen Fähigkeiten von Gwendollyn besprachen. 

Silvy hatte Gwendollyn noch das Futter gebracht. „Also was Du alles kannst!“ rief sie. „Und jetzt hast Du wirklich allen Gästen viel Freude gemacht! Schließlich hast Du den Abend gerettet!“ Und da sah sie es wieder ganz deutlich: ein geheimnisvolle Funkeln in den Augen... 

Dann feierten alle noch bis spät in den Abend. Und Silvy feierte mit und träumte von Gwendollyn.

TRIFLE:

Eine leckere englische Nachspeise:

Man bröckelt Biskuitteig von einem Tortenboden in eine Glasschale, gießt dann etwas Sherry darüber (ca. 125 ml), dann kommt eine Lage Vanillepudding (1/2 l), darauf nun ca. 450 g geviertelte Aprikosen, darüber etwas geriebene Mandeln, dann noch steif geschlagener Schlagrahm (ca. 200g). Schließlich auf alles noch den Rest der Mandeln und etwas Schokoladensplitter. Schmeckt wirklich fein! Anstelle von Aprikosen kann man auch andere weiche Früchte nehmen, und dann anstatt des Puddings ein dazu passendes Gelee.