Der Elefant ist los!

Gwendollyn und der Zirkus (II)

 Ein Pferdemärchen über Gwendollyn und Silvy, 
7.Folge, von McDietmar

 Dieses Mal: Gwendollyn stoppt den Elefanten 

Was bisher geschah: 

Gwendollyn kommt nach Hampwylln Court und lernt Silyv kennen (1). Sie zieht den Nachbarsjungen Marc aus dem Wasser (2). Sie rettet ihren Freund Gwenfair vor einer Kolik.(3) Sie faßt einen Dieb (4) Sie rettet das Sommerfest (5). Sie übt für den Zirkus (6).

Gwendollyn übt

Silvy hatte sich frei genommen, um die wenigen Tage  bis zum Beginn der Vorführungen mit Übungen für Gwendollyn nutzen zu können. Und je mehr sie übte desto sicherer wurden beide.

Sue übte regelmäßig mit den beiden und gab Silvy viele Tips. Auch Gwenfair lief immer mit, wenngleich sein Können bei weitem nicht an das von Gwendollyn heranreichte.

Das Programm war umgestaltet worden und sah nun so aus:

Dies war als Höhepunkt der Show gedacht; vorher trat Natascha mit zwei Zirkuselefanten auf, danach kam ein Clown, und dann sollte als Höhepunkt und Abschluß die Pferdeshow stattfinden.

Die Elefantennummer war zwar nicht neu, aber die Elefanten, mit denen Sue die Nummer bisher aufgeführt hatte, waren krank geworden und mußten eingeschläfert werden, was einen heftigen  Verlust für den Zirkus bedeutete. Die neuen  Elefanten waren noch ziemlich jung und unerfahren; sie waren erst ein paar mal vor Publikum aufgetreten und waren in den Scheinwerfern der Manege noch nicht so sicher.

Silvy im Zirkusdress!

Silvy staunte nicht schlecht, als Sue nach ein paar Tagen mit einem teuren paillettenbesetzten Zirkusdress ankam. Sue mußte für die schlanke Silvy ein paar Abnäher setzen, aber dann paßte das Kleid wirklich hervorragend; und Silvy sah sich im Spiegel als strahlende junge Frau.  Verschreckt versuchte sie wieder schüchtern zu schauen, aber das wollte ihr nicht so recht gelingen. Der sichere Umgang mit Tom und dem Hausherrn von Hampwylln Court bei der Führung des Hofes und auch die täglichen Übungen mit Gwendollyn hatten aus Silvy eine selbstbewußte junge Frau gemacht. Dazu kam, daß sie nun jeden Tag bei jedem Wetter sich viele Stunden im Freien aufhielt, und dadurch richtig robust geworden war. 

Gwendollyn in der Manege

Nun wurde es schnell spannend. Würde Gwendollyn auch in der Manege ihre Vorführungen so sicher ausführen? Das konnte man nur durch Ausprobieren herausfinden. Also ging`s am nächsten Tag in die Manege.

Das Zirkuszelt war direkt an der Hauptstraße im Dorf aufgebaut. Vorne stand ein kleiner Kassenwagen, und rings herum stand ein buntes Gatter, hinter dem die Wagen für die Tiere standen, aber auch das Heu für die Pferde und die Elefanten, die friedlich auf ihrer Koppel grasten. Die Elefanten hatte man zur Sicherheit mit ihren Hinterbeinen noch an Pflöcke angekettet, die in den Boden geschlagen worden waren. 

Dann gab es noch einen kleinen Wagen mit einer alten Schlange (es war eine große fette Boa Constricta) und einigen Hyänen, die man günstig von einem anderen Zirkus bekommen hatte. Ein besonders stabiler Wagen war den zwei zahmen Löwen vorbehalten. Und in ein paar Wohnwagen wohnten die Artisten und die Inhaber des Zirkus.   

Zuerst übte Silvy mit Gwendollyn und Gwenfair. Sie liefen in die Mitte der Manege, Silvy ließ Gwendollyn das Kompliment machen, und sie selbst verbeugte sich vor dem Publikum, das vorerst nur aus Sue bestand.

Dann ließ sie erst mal beide Pferde am Manegenrand nebeneinander entlang laufen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht auf den Pferden sitzt, vor allem weil Gwendollyn zunächst ständig versuchte ihre Tempo an das von Gwenfair anzupassen. Erst als Gwendollyn begriff, daß sie einfach mit gleichmäßiger Geschwindigkeit laufen sollte, klappte das. Dann machten sie gemeinsam eine Kehrtwendung, was erstaunlicherweise fast auf Anhieb funktionierte.        Nun wurden die anderen Pferde hinzu geholt. Da die Pferde sich schon vorher ausgiebig beschnuppern konnten, konzentrierten sich die beiden erfahrenen Zirkuspferde sofort auf ihre Aufgaben. Es war schon erstaunlich anzusehen, wie nach kurzer Zeit alle vier Pferde –vorne die beiden bildhübschen Apfelschimmel, dann die beiden strubbeligen Shetlandponys- hintereinander am Manegenrand im Schritt, im Trab, und im Galopp entlang liefen. Bei den Kehrtwendungen mußten sie alle üben, bis das klappte. Aber die beiden Zirkuspferde konnten diese Übung hervorragend, Gwendollyn lernte sehr schnell, und Gwenfair lief einfach mit. 

Stürzt das Zelt um?

Plötzlich gab es draußen einen lauten Krach und Getöse. Die Pferde waren erschrocken stehen geblieben, spitzten ihre Ohren und schnaubten verunsichert. Dann gab es noch einen zweiten Krach und plötzlich fing das Zelt an zu wackeln.  Voll Panik liefen da die Pferde ins Freie, dicht gefolgt von Sue und Silvy.  

Was war geschehen? Voll Entsetzen sahen sie einen der Elefanten, der den Pfosten, an den er angekettet gewesen warm, ausgerissen hatte, und sich damit jetzt verschreckt in den Verspannungen des Zeltes verfangen hatte. Jetzt versuchte er verzweifelt sich loszureißen. Dabei schwankte das Zelt jedes Mal bedrohlich. Und wenn er dadurch einen der großen Pfosten, mit denen das Zelt am Boden verankert war, herausreißen würde, dann müßte das Zelt unweigerlich umstürzen. Was tun? Niemand traute sich in die Nähe des verunsicherten und verängstigten Elefanten.

Was macht Gwendollyn?

Keiner hatte mehr auf die Pferde geachtet, die sich schnell beruhigt hatten, und sich inzwischen gelassen über das Gras hermachten. Nur Gwendollyn beobachtete aufmerksam den Elefanten. Dann kam sie langsam näher, sorgsam darauf bedacht, stets im Blickfeld des Elefanten zu sein, und weit weg von seinen Beinen zu bleiben. War das Pony denn verrückt geworden, auf den tobenden Elefanten zuzugehen? Dabei kam Gwendollyn wie zufällig näher, graste dabei hier und dort ein wenig. Der Elefant beobachtete Gwendollyn mit zunehmendem Interesse, und vergaß darüber beinahe, daß er sich mit dem Hinterbein verheddert hatte. Eine seltsame Ruhe ging dabei von Gwendollyn aus. Auch die Menschen beruhigten sich zusehens. „Was steht ihr hier so rum“ schimpfte schließlich Sue los, „helft mir lieber den Elefanten frei zu bekommen, solange er von Gwendollyn beruhigt wird“.

Sue hatte Sorge, daß der Elefant erneut Panik bekommen könnte, und so trieb sie zur Eile. Aber ihre Sorge war unbegründet: der Elefant begann schließlich mit seinem Rüssel nach Freßbarem zu suchen, und begann das wenige Gras in seiner Reichweite zu fressen. Als Silyv das sah, lief sie schnell um Heu zu holen. und als sie das Heu gebracht hatte, begannen Gwendollyn und der Elefant sich einträchtig über das Heu herzumachen.

 

Die Männer hatten inzwischen das Bein befreien können. Der Elefant war völlig ruhig, und kümmerte sich nur noch um das frische Heu, das er genüßlich mit dem Rüssel aufnahm und sich in den Rachen stopfte. 

 

Silvy ging zu Gwendollyn hin, und lobte sie mit leisen Worten. „Also wie du das wieder geschafft hast“, murmelte sie ihr in die Ohren. “Hattest du denn keine Angst vor dem Riesenelefanten?“ Zur Antwort sah Gwendollyn nur kurz auf, und da sah sie es wieder ganz deutlich in den Augen: ein seltsames Funkeln und Glitzern in den Augen, das da eigentlich gar nicht sein konnte.

Gwendollyn grast mit dem Elefanten auf einer Koppel

Es gab aber noch eine Überraschung, als man den Elefanten wieder weg führen wollte: er wollte nämlich partout nicht ohne Gwendollyn gehen. Und so kam es, daß die kleine Gwendollyn schließlich neben den beiden großen Elefanten friedlich grasend auf deren Koppel stand.

Zum Abschluß Apple Pie

Sue freilich konnte sich gar nicht genug wundern über Gwendollyn. Und abends im kleinen Wohnwagen Sues ging es dann noch hoch her, auch die Inhaber und die Artisten wollten das Mädchen sehen und sich bei ihm bedanken, das mit seinem mutigen Pferd eine Katastrophe verhindert hatte. Und bis spät in die Nacht aß man von den selbstgebackenen Kuchen, vor allem von der leckeren Apple Pie, die die Zirkusfrauen gebracht hatten.

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Apple Pie, ein gedeckter Apfelkuchen, ist ein wahrhaft englischer Genuß. Hier das Originalrezept unserer englischen Freunde: 

220 g Mehl, Backpulver, eine Prise Salz, 100 g Schweineschmalz (ersatzweise Margarine, damit wird der Kuchen aber schneller hart!). Äpfel geschält, gekocht und in dünne Scheiben geschnitten. Etwas gezuckerte Milch.  

Mehl und Salz in einen Topf sieben. Schmalz bzw. Margarine kleinschneiden bzw. -brökeln. Wenig Wasser zugeben und Teig mischen. Dann zwei Teigscheiben ausrollen, die größere in eine Pie-Form setzen und den Rand hochziehen, die Äpfel darauf geben, und mit der zweiten kleineren Scheibe zudecken. In der Mitte einschneiden. Mit der gezuckerten Milch bestreichen. 15 min im vorgeheizten Ofen bei 220°  backen, dann Hitze auf 180 ° reduzieren und in 25 – 30 min fertig backen.