Der große Tag ist da!

Gwendollyn und der Zirkus (III)

 Ein Pferdemärchen über Gwendollyn und Silvy
8.Folge, von McDietmar

 Dieses Mal: Aufregung in der Manege  

Vorstellung unserer Original Apfelschimmel mit zwei  Shetlandponys in Galaausstattung

+       Elegante Quadrille in der Manege

+       Gwendollyn de Hampwylln

Was bisher geschah: 

Gwendollyn kommt nach Hampwylln Court und lernt Silyv kennen (1). Sie zieht den Nachbarsjungen Marc aus dem Wasser (2). Sie rettet ihren Freund Gwenfair vor einer Kolik.(3) Sie faßt einen Dieb (4) Sie rettet das Sommerfest (5). Sie übt für den Zirkus (6). Sie besänftigt den Elefanten (7)

Es wird ernst

Der große Tag war da. Es war ein Samstag, und schon am frühen Morgen war Silvy auf den Beinen um Gwendollyn zu putzen und zu wienern, bis das kleine Shetlandpony nur so glänzte. Am Nachmittag sollte die erste Vorstellung stattfinden, und dann am Abend eine zweite.

Silvy hatte intensiv zusammen mit Sue –ihr Künstlername war Natascha- geübt, und war nun zuversichtlich, den Auftritt gut zu machen. Und Sue hatte ihr gesagt: „Also paß auf: Lampenfieber ist normal, wir alle genießen das sogar, weil das so herrlich aufregend ist, und so wunderbar, wenn wieder alles geklappt hat.“  

Und schließlich wurde es Zeit Gwendollyn herzurichten: sie bekam einen feuerroten Federbusch auf den Rücken geschnallt, und ein weißes Zaumzeug. 

Inzwischen hatte die Vorstellung begonnen. Der Zirkusdirektor begrüßte das Publikum, und dann kamen die ersten Artisten, die am Trapez und am Hochseil atemberaubende Vorführungen zeigten.

Es ist endlich so weit: Gwendollyn tritt auf

Als nächstes kam ein Clown, dann zeigte Natascha die Boa Constricta, dann wurden die Löwen vorgeführt, dann kam nochmals der Clown. Als nächstes führten die Elefanten ihr Können vor, und jetzt kam:

Silvy mit Gwendollyn und Gwenfair, mit den beiden Apfelschimmeln, und mit Sue.

Das Programm war vorher genau ausgearbeitet worden und sah so aus:  

+       auf schmalem Steg

+       Gwendollyn galoppiert so geschwind

wie der schottische Hiochlandwind

+       Gwendollyn zeigt ihr Können: Sprung durch`s Feuer

+       Große Abschlußshow mit allen Pferden

Brav absolvierten die Apfelschimmel, Gwendollyn und Gwenfair das Programm. Die anfängliche Aufregung bei Silvy hatte sich schnell gelegt, da sie sich ganz auf die Pferde konzentrieren mußte.

Nach der Quadrille sprang Gwendollyn mit einem Satz auf einen der beiden Zirkuspodeste, die in der Mitte der Manege aufgebaut waren. Dazwischen war ein stabiler Balken befestigt, auf den nun Gwendollyn vorsichtig zu dem anderen Zirkuspodest balancierte. Das Publikum klatschte begeistert Beifall. Als dann Gwendollyn in der Mitte auf dem Balken stehen blieb, und vorsichtig begann, sich auf dem schmalen Steg herumzudrehen, herrschte atemlose Stille, gleich gefolgt von begeistertem Beifall.  

Als nächstes galoppierte Gwendollyn auf dem zweiten Hufschlag, während die anderen Pferde entgegengesetzt auf dem ersten Hufschlag galoppierten. Silvy ließ Gwendollyn nicht zu schnell laufen. Dennoch waren die Zuschauer tief beeindruckt. Und die Zuschauer in der ersten Reihe waren eingestaubt vom aufgewirbelten Sägemehl, mit dem die Manege ausgestreut war. Da dazu noch –passend zum Thema- schottische Dudelsackmusik gespielt wurde, klatschten die Zuschauer begeistert Beifall.

Gwendollyn springt durch`s Feuer

In der Mitte der Manege waren inzwischen die beiden Podeste mit dem Balken weggeräumt worden. Stattdessen stand jetzt ein großer Reifen da, ringsum mit Stroh umwickelt, das mit Petroleum  getränkt worden war. Silvy benäßte   Bauch, Beine und Schweif Gwendollyns mit reichlich Wasser. Und dann ging es zum Höhepunkt der Show: Das Petroleum wurde angezündet und hoch loderten die Flammen auf. Natürlich hatte Silvy darauf geachtet, daß unten weniger Stroh festgebunden war, so daß die Flammen hauptsächlich oberhalb von Gwendollyn waren; und der alte Knecht Tom stand natürlich hinter dem Vorhang mit zwei großen Eimern Wasser bereit, falls irgend etwas schiefgehen sollte. 

Silvy war sehr nervös, denn obgleich sie diese Vorführung schon oft geübt hatten, war ihr bei den Flammen doch immer irgendwie unheimlich zumute. Das Publikum war mucksmäuschenstill. Nur Gwendollyn war ruhig: sie stand ein paar Meter vor dem Reifen und peitschte ungeduldig  mit dem Schweif in die Luft, bis  ihr Silvy das Zeichen zum Loslaufen und –springen gab. Ein großer Satz, und da war Gwendollyn auch schon durch! Erleichterter Beifall kam da von den Zuschauern, die eine solche Show mit einem Pferd noch nie gesehen hatten.  

Silvy atmete auf; schließlich fehlte nur noch die große Abschlußshow. Diese „Große Abschlußshow“ war eigentlich nur eine Wiederholung der Quadrille vom Anfang, aber dennoch schön zum Ansehen.

Was macht das kleine Mädchen in der Manege?

Während der Reifen aufgeräumt wurde, liefen die Pferde gleichmäßig und brav nebeneinander und hintereinander, drehten gemeinsam und liefen dann in der Gegenrichtung weiter. Das machten sie so im Schritt, im Trab, und schließlich sogar im langsamen Galopp.
Plötzlich riß sich in der ersten Reihe ein kleines Mädchen von der Hand seiner Mutter los und sprang in die Manege, direkt zu den galoppierenden Pferden!


Das eben noch begeisterte Publikum war totenstill geworden, jeder sorgte sich um das kleine Mädchen, das die Gefahr der heran galoppierenden Pferde gar nicht zu bemerken schien.

Gwendollyn stellt sich quer

Die Pferde kamen rasend schnell näher, und wie sollten sie bei ihrem großen Gewicht so schnell ausweichen können? Glücklicherweise war gerade Gwendollyn vorne, und die reagierte blitzschnell: Sie bremste fast auf der Stelle, und drehte sich noch so, daß die anderen Pferde nach innen in die Manege ausweichen mußten.

Glücklich war die Mutter nach innen gelaufen um ihr kleines Mädchen wieder zu holen. Das verstand die ganze Aufregung gar nicht, und wollte  unbedingt zu den Pferden hin. Erst als Silvy ihr erklärte, daß sie nach der Vorstellung auf Gwendollyn sitzen dürfte, war es zufrieden.  

Die Zuschauer hatten den Atem angehalten, als das kleine Mädchen in die Manege gelaufen war. Als sie sahen, wie sicher Gwendollyn das Mädchen geschützt hatte, gab es einen nicht enden wollenden Applaus für Silvy und Gwendollyn.

Ponyreiten mit Gwendollyn und Gwenfair

Die Vorstellung war nun fast zu Ende. Noch einmal kamen alle Artisten zurück, verbeugten sich, winkten dem Publikum zu und verabschiedeten sich. Nun waren nur noch Silvy und Sue mit Gwendollyn und Gwenfair geblieben. Und auf diesen Ponys wollten jetzt natürlich das kleine Mädchen aber auch alle anderen Kinder reiten. Also mußten Gwendollyn und Gwenfair eine Runde nach der anderen drehen, bis jedes der Kinder mindestens einmal auf einem der beiden Pony gesessen war.

Als Dankeschön ein Black Pudding

Am Abend kam  die Mutter des kleinen Mädchens zurück, und brachte einen großen Sack voll Möhren für Gwendollyn, und eine Riesenportion „Black Pudding“ für Silvy und die übrigen Artisten.

 

Black Pudding heißt wörtlich übersetzt  „Schwarzer Pudding“, hat aber nichts mit  unserem „Pudding“ zu tun, sondern ist eine Art Blutwurst. Es soll zu den ältesten Rezepten überhaupt gehören. Hauptzutat ist Blut, wobei Blut vom Schwein, vom Lamm oder von der Gans  verwendet werden kann. Zutaten:

1.1 Liter Blut, 1 Eßlöffel Salz, 0,3 l Milch, 3 mittelgroße kleingehackte Zwiebeln. 350 g gehackter Rindertalg, Gewürze. Zubereitung: Blut in einen tiefen Topf laufen  lassen,  ab-kühlen lassen, Salz hinzufügen.  Übrige Zutaten ergänzen, gut würzen, und in eine vorbereitete Haut einfüllen oder in eine feuerfeste Form. Die Haut im Wasser, die Form im Herd bei 150 ° ca. 1 ½ Stunden backen. Auskühlen lassen, in Scheiben schneiden und in der  Pfanne braten. Mit Eiern, Speck oder Würsten servieren. Guten Appetit! (naja, vielleicht werde ich jetzt doch noch  Vegetarier...)

Feiern nach der gelungenen Vorstellung  

Silvy staunte wie schon oft über Gwendollyn. „Das hast du wunderbar gemacht heute“, sagte sie zu Gwendollyn. „Daß du keine Angst vor dem Feuer hast, wußte ich ja schon, aber wie du das kleine Mädchen geschützt hast, war wirklich einzigartig.  Du hast schneller reagiert als ich hätte je reagieren können“, sagte sie noch. Und in den Augen von Gwendollyn sah sie es wieder ganz deutlich: ein seltsames Funkeln und Glitzern in den Augen, das ihr inzwischen schon so vertraut war, und das sie immer sah, wenn Gwendollyn etwas ganz besonderes gemacht hatte.

An diesem Abend wurde es spät, denn nach der Abendvorstellung, die ausverkauft war, feierte Silvy mit dem alten Knecht Tom, Sue und den anderen Artisten den gelungenen Erfolg.

Und sie aßen Black Pudding bis zum Umfallen. Und die Inhaber freuten sich, daß ihre finanziellen Sorgen ein Ende haben könnten, und baten natürlich Silvy, wenigstens solange sie im Dorf blieben, auch weiterhin bei den Vorstellungen mitzumachen.

Der Zirkus zieht fort

Und so kam es, daß Silvy noch ein paar Wochen an jedem Wochenende im Zirkus auftrat. Am Ende erhielt sie sogar Geld dafür, und zwar gar nicht einmal so wenig, weil der Zirkus wegen des nun berühmten Pferdes „Gwendollyn de Hampwylln“ immer ausverkauft war und daher viel Geld eingenommen hatte.  

Als dann eines Tages der Zirkus wieder weiterzog, war Silvy traurig und froh zugleich: Traurig, weil sie das Licht der Manege vermißte, und den Beifall der Zuschauer, und Sue mit den anderen, neuen Freunden, aber auch froh, weil sie nun wieder allein mit Gwendollyn –ohne Zuschauer- üben konnte.

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