Gwendollyn und die Diebe 
Teil II:  Gwendollyn am Hafen

Ein Pferdemärchen über Gwendollyn und Silvy, 11.Folge

von McDietmar 

Dieses Mal: Gwendollyn auf dem Weg nach Amerika

Was war nun wirklich in dieser finsteren Nacht geschehen?

Ein alter Kleinlaster fuhr vorsichtig auf der schmalen Küstenstraße zum Hafen von Wyllnham. Von außen unscheinbar, würde niemand einen Pferdetransporter vermuten, denn es fehlte die Rampe am Heck, und es
gab auch keine Fenster. Einem aufmerksamen Beobachter würde die
Lichtkuppel am Dach auffallen, und vielleicht auch das defekte Schlußlicht...

Vier Pferde waren in dem engen Laderaum zusammengepfercht worden:
zwei sensible Vollblutstuten und zwei kleine Shetlandponys drängten sich in den drei abgegrenzten Abteilen. Gwendollyn war völlig ruhig, und Gwenfair drängte sich dicht an seine kleine Pferdefreundin, und versuchte, auch ruhig zu bleiben, obgleich ihn die ungewohnte lange Fahrt störte, und auch die fremden Pferde dicht neben ihm.

Die beiden Vollblutstuten schnaubten unablässig und versuchten nervös, sich in den  zahlreichen Kurven auszubalancieren. Hinzu kam, daß der  Laderaum nur schlecht  belüftet war, und die Luft immer schlechter wurde.

Der Fahrer wollte das Fenster herunterkurbeln um seinen Zigarettenstummel hinauszuwerfen, aber kaum daß er das Fenster einen Spaltbreit geöffnet hatte, pfiff wütend der Sturm herein. "Mir ist das unheimlich", sagte der jüngere der beiden, der unruhig auf dem Beifahrersitz hin- und herrutschte. "So ein Gewitter hab ich noch nie erlebt! wir sollten die Pferde hier rauslassen und verduften!" "Du spinnst" sagte der ältere, der am Steuer saß und versuchte, den Weg durch die dunkle Nacht zu finden.

Immer wieder erhellten Blitze den sturmgepeitschten Weg vor ihm und schwere Donnerschläge folgten den grellen Blitzen. Erinnerungsfetzen aus seiner  Schulzeit fielen ihm ein, und, daß Blitze im Grunde riesige Stromstöße seien. Und er fürchtete sich vor Strom. Er hatte einmal erlebt, wie bei einem Kurzschluß zuhause sogar Metall zusammengeschweißt worden war...
Laut sagte er nochmals: "Du spinnst, jetzt, wo wir endlich wirklich wertvolle Pferde haben! Wenn wir die in dem Frachter nach Amerika haben, dann können wir mit dem hier endlich aufhören! Du weißt, daß ich mir schon lange eine kleine Cottage wünsche, und außerdem möchte ich mein Lebtag keins von diesen störrischen Viechern mehr sehen!"

Wütend wich er einem besonders großen Schlagloch aus; seine groben Finger drehten das Lenkrad mit Gewalt. Beinahe wäre er von der Straße abgekommen, doch im letzten Moment schaffte er es noch entgegen zu lenken.

Doch dann mußte er voll auf die Bremse treten, weil vor ihm riesige Schlußlichter auftauchten. Ein großer Laster stand vor ihm auf der Straße. Er schloß seinen Parker bis oben, zog sich sein Cap tief ins Gesicht, stieg aus und stiefelte durch die tiefen Pfützen nach vorn. "Die Brücke vorn ist kaputt! " rief ihm der Fahrer des schweren Lasters zu. "Ein Blitz hat einen Träger getroffen! Aber mit Deinem Kleinlaster kannst Du die nächste Brücke südlicher nehmen; ich warte hier noch, weil mein LKW zu schwer dafür ist und morgen vielleicht diese Brücke wieder befahrbar wird."

Zurück an seinem Kleinlaster studierte der Fahrer die Karte, und fand schließlich die kleine Brücke ein paar Meilen weiter. Er wendete verärgert den Kleinlaster und suchte die Abzweigung zur  Nebenstraße.

Das ist doch unheimlich" nörgelte der jüngere der beiden Männer.  Da schlägt direkt vor uns der Blitz in die Brücke ein! Was nun, wenn der Blitz jetzt in der Brücke einschlägt wenn wir gerade darüberfahren?"

Sei jetzt endlich still!" schimpfte der Fahrer nervös zurück. Er mußte sich ganz auf den schmalen Weg konzentrieren, und außerdem hatte er selber Angst.

Das Gewitter hatte zwar etwas nachgelassen, aber beide Männer in dem Kleinlaster  wußten nicht, ob das nur eine Pause war, oder ob sich das Gewitter nun endgültig beruhigt hatte. "Das Gewitter liegt auf der Lauer"  schoß es dem Fahrer durch den Kopf...
Inzwischen waren die Pferde im Laderaum immer unruhiger geworden, denn die Luft wurde immer schlechter, und die großen Vollblüter schnauften  inzwischen schwer. Wurde nun auch Gwendollyn, zusammen mit Gwenfair in dem Abteil gleich hinter den Fahrern, auch unruhig? Sie klopfte mit ihren Hinterhufen ringsum an die Wände, und drängte dabei sogar Gwenfair beiseite. Plötzlich holte sie gewaltig aus und: mit einem einzigen Hieb ihrer winzigen Hufe durchschlug sie die Karosserie des alten Kleinlasters. Frische Luft strömte nun durch das Loch, und wenig später hatten sich auch die großen Vollblutstuten beruhigt.

Erschreckt waren vorn die beiden Männer zusammengezuckt, aber keiner sprach darüber, wie gebannt  fuhren sie immer weiter, fanden die kleine Brücke, überquerten ohne weitere Probleme den Fluß und erreichten schließlich  die kleine Hafenstadt Wyllnham.

Wie würde es weitergehen? würde  Gwendollyn auf das Frachtschiff kommen? 
konnte sie noch in letzter Minute gerettet werden?