Wasser
unterm Haus und Sorgen um andere Menschen
Das Haus von Regine Buschbeck in Dresden liegt weit über der Elbe. Doch als Mitte August das Wasser immer höher stieg, wollten die Pferde auch in der sicheren Höhe nicht mehr in den Offenstall. Sie waren unruhig. Nachts kam dann das Wasser. Plötzlich. Von oben, den Berg herab. Nichts geschehen, meldete Regine wenige Tage später. Allerdings ist die Straße unten weggespült. Aber was ist das schon gegenüber den Sorgen anderer, die alles verloren haben. Regines Haus am Berg in Oberpoyritz ist jetzt Unterkunft für Leute, die näher an der Elbe wohnten. Die Pferde, für sie hat Regine derzeit wenig Zeit. Sie geht helfen in die Stadt, die so viel Hilfe braucht.
Schon eine Woche zuvor
hatte Michael Klaproth in Markersbach (Erzgebirge) seine Pferde in den Stall
geholt. Als es regnete, regelrecht schüttete. Er wohnt oberhalb des Ortes.
Unten gurgelten sich vormals harmlose Bäche neue Wege. Nicht einmal mit dem
Jeep traute sich der Reiterhofbesitzer zwei Tage lang nach unten in den Ort. Als
das wieder möglich war, bezeichnete er sich als Glückspilz. Auch in seinem Ort
stehen Menschen vor dem Nichts.
Elke Wenzel aus Höckendorf
(Osterzgebirge) sucht nach dem Tag, als das Wasser in den kleinen Ort kam, einen
guten Platz für ihren Wallach Elton. Der eigentlich kleine Bach raste an einem
Tag durch die Tierarztpraxis ihres Mannes, brach durch die Ställe und die
Scheune. Das nasse Heu haben sie inzwischen bei 33 Grad Sommersonne entsorgt,
die Ställe und das Haus trocknen sie mit Lüftern. Unter der Stube klingt es
hohl. Der Bach hat wahrscheinlich viel Boden mitgenommen. Und ein riesiger Hang
mit Bäumen und Steinbrocken rutschte bis in den Hof. Auch hier ist den Pferden
nichts geschehen. Aber Wenzels müssen wieder aufbauen,
das Gehöft reparieren. „Mit zwei Kindern und der Sorge um die Existenz
werde ich auf lange Sicht keine Zeit mehr für das Pferd haben“ ahnt Elke.
Wir haben Stall,
Futter und Koppeln, mailte Andrea Galke aus Hessen, schon, als in Sachsen noch
vielerorts Land unter war. Für einige Monate würde sie Pferde aufnehmen.
Solche Signale sind in diesen Wochen wie ein Wundpflaster für die Seele. Zwar würde
Elke aus Höckendorf ihren Wallach nicht bis Hessen schaffen, aber das es
Menschen gibt, die helfen möchten, ist wie ein Kraftquell.
Ein gefluteter
Zwinger, Deiche, zerbrochene Straßen und Menschen, die alles verloren haben –
als Ende August in Sachsen vorsichtig die ersten Schäden beziffert werden, ist
ein verlorener Futtervorrat angesichts der erschütternden Bilanz nichts, worüber
man klagen möchte.
Helfer wird in den nächsten
Monaten Elke brauchen, um das Gehöft wieder herzurichten. Helfer würde Regine
wahrscheinlich verpflegen und in die Stadt schicken, damit Elbflorenz aus den
Fluten neu entsteht, helfen wird wahrscheinlich Michael unten im Ort. Lange,
nachdem die Bilder vom Hochwasser als Thema aus den Fernseh- und
Zeitungsnachrichten verschwunden sind, wird noch Hilfe gebraucht. Vielleicht
eine Ladung Heu für den Winter, den sich der Betroffene aber nicht mit
gemietetem Hänger aus Norddeutschland holen könnte, vielleicht ein neues
Zuhause für Elton, möglichst in der Nähe, damit man Verbindung zum
Familienpferd halten kann. Vielleicht aber auch eine Woche Ferien auf einem
Reiterhof für Kinder oder Familien, deren Leben seit August auf dem Kopf steht,
oder deren bisheriges Leben versunken ist.
Erst wenn die Bilder
des Hochwassers nicht mehr über die Fernsehschirme flimmern, gehen die
Betroffenen seelisch dem schlimmen Scheitelpunkt der Flut entgegen. Es wäre schön,
wenn auch dann noch Pferdeleute helfen. Wo welche Hilfe benötigt wird, darüber
informiert die VFD Sachsen auf Anfrage. Kontakt: Angelika Hoyer, Am Gebirge
4, 02788 Dittelsdorf, 0162-9458042 oder per Mail angelika.hoyer@sz-online.de
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